Wohnzimmer mit natürlichen Materialien

Nachhaltig wohnen: 20 Ideen, die wirklich alltagstauglich sind

Nachhaltig wohnen klingt schnell nach energetischer Sanierung, neuen Fenstern, Solaranlage und einer komplett neu eingerichteten Wohnung mit möglichst ökologischen Möbeln. Für Eigentümer können solche Maßnahmen durchaus interessant sein. Im Alltag der meisten Menschen beginnt nachhaltiges Wohnen aber viel kleiner.

Auch in einer Mietwohnung kannst du einiges verändern – häufig sogar ohne größere Anschaffungen. Entscheidend ist weniger, möglichst viele Produkte gegen vermeintlich nachhaltige Alternativen auszutauschen. Oft ist es sinnvoller, vorhandene Dinge länger zu verwenden, Energie und Wasser bewusster einzusetzen und nur das neu zu kaufen, was tatsächlich gebraucht wird.

Hier findest du 20 Ideen für nachhaltigeres Wohnen, die sich realistisch in den Alltag integrieren lassen. Nicht jede davon wird zu deiner Wohnung und deinem Leben passen. Das muss sie auch nicht. Schon einzelne Veränderungen können sinnvoll sein.

Was bedeutet nachhaltig wohnen eigentlich?

Nachhaltig wohnen bedeutet, beim Wohnen Ressourcen möglichst effizient zu nutzen und unnötige Umweltbelastungen zu vermeiden. Dazu gehören vor allem Heizenergie, Strom und Warmwasser, aber auch Möbel, Elektrogeräte, Textilien, Reinigungsmittel und die Größe beziehungsweise Nutzung des Wohnraums.

Dabei lohnt es sich, Nachhaltigkeit nicht mit dem Kauf spezieller „Öko-Produkte“ gleichzusetzen.

Ein vorhandener Tisch, der noch 15 Jahre genutzt wird, muss nicht gegen einen neuen Tisch aus vermeintlich nachhaltigem Material ausgetauscht werden. Ein funktionierender Kühlschrank wird nicht automatisch zum Umweltproblem, nur weil inzwischen effizientere Modelle erhältlich sind. Und für weniger Verpackungsmüll braucht es nicht zwingend ein neues Set aus Vorratsgläsern.

Eine einfache Grundregel lautet deshalb:

Erst besser nutzen, dann reparieren oder gebraucht kaufen – und erst danach über einen Neukauf nachdenken.

Gerade beim Wohnen lässt sich damit viel erreichen.

1. Räume nicht wärmer heizen als nötig

Beim nachhaltigen Wohnen gehört die Heizung zu den wichtigsten Stellschrauben. Raumwärme verursacht einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs im Haushalt. Deshalb können bereits kleine Veränderungen einen größeren Effekt haben als viele kleine „grüne“ Anschaffungen.

Das Umweltbundesamt nennt für Wohnräume etwa 20 °C als Richtwert, sofern diese Temperatur als angenehm empfunden wird. Für die Küche werden 18 °C und für das Schlafzimmer 17 °C genannt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass du frieren sollst. Wie warm sich eine Wohnung anfühlt, hängt unter anderem von Dämmung, Fenstern, Luftfeuchtigkeit und dem persönlichen Wärmeempfinden ab.

Sinnvoller als eine möglichst niedrige Temperatur ist deshalb eine einfache Frage: Ist der Raum vielleicht wärmer, als er tatsächlich sein müsste?

Schon eine etwas niedrigere Einstellung kann Heizenergie sparen.

2. Stoßlüften statt das Fenster stundenlang zu kippen

Ein dauerhaft gekipptes Fenster wirkt praktisch, ist während der Heizperiode aber keine besonders gute Lösung. Dabei kann viel Wärme verloren gehen, während der Luftaustausch weniger effektiv ist.

Besser ist kurzes, intensives Lüften: Fenster vollständig öffnen und nach Möglichkeit für Durchzug sorgen.

Das Umweltbundesamt empfiehlt in der Heizperiode mehrmals täglich Stoßlüften. Im Winter reichen häufig wenige Minuten. Besonders wichtig ist Lüften nach dem Duschen, Kochen oder Wäschetrocknen, weil dabei viel Feuchtigkeit entsteht.

Das spart nicht nur Heizenergie. Richtiges Lüften hilft außerdem dabei, eine zu hohe Luftfeuchtigkeit und damit das Schimmelrisiko zu reduzieren.

3. Die Heizung beim Lüften herunterdrehen

Ein kleines Detail, das schnell vergessen wird: Wenn du im Winter die Fenster weit öffnest, sollte das Thermostat währenddessen heruntergedreht werden.

Sonst registriert der Thermostatkopf die kalte Luft und öffnet das Ventil stärker. Der Heizkörper wird besonders warm – während die Wärme direkt durch das geöffnete Fenster entweicht.

Nach dem Lüften kannst du das Thermostat wieder auf die vorherige Einstellung drehen.

Das kostet nichts und lässt sich leicht zur Gewohnheit machen.

4. Heizkörper nicht mit Möbeln zustellen

Das Sofa direkt vor dem Heizkörper, lange Vorhänge davor oder eine große Verkleidung sehen vielleicht ordentlich aus, können aber die Wärmeverteilung im Raum behindern.

Die erwärmte Luft sollte möglichst frei zirkulieren können. Auch Thermostatventile sollten nicht hinter Möbeln oder schweren Vorhängen verschwinden.

Bevor du also über neue Heiztechnik oder zusätzliche Geräte nachdenkst, lohnt sich ein kurzer Rundgang durch die Wohnung:

Kann die Wärme deiner Heizkörper überhaupt ungehindert in den Raum gelangen?

Manchmal genügt es bereits, ein Möbelstück etwas anders zu positionieren.

5. Die Raumtemperatur gezielt steuern

Nicht jeder Raum muss rund um die Uhr dieselbe Temperatur haben. Wenn tagsüber niemand im Schlafzimmer ist oder die Wohnung mehrere Stunden leer steht, kann eine zeitweise Absenkung sinnvoll sein.

Programmierbare Thermostate können dabei helfen. Sie reduzieren die Temperatur beispielsweise automatisch, wenn du regelmäßig außer Haus bist, und erhöhen sie vor deiner Rückkehr wieder.

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass programmierbare Thermostate Energie sparen können.

Allerdings muss dafür nicht sofort das ganze Zuhause zum Smart Home werden. Auch klassische Thermostate funktionieren. Wer morgens beim Verlassen der Wohnung an die Heizung denkt, benötigt möglicherweise gar keine elektronische Lösung.

Die nachhaltigste Technik ist nicht automatisch die mit App.

6. Zugluft an Fenstern und Türen prüfen

In älteren Wohnungen sind undichte Fenster oder Türen keine Seltenheit. Durch die Spalten kann ständig warme Luft entweichen.

Ob es zieht, lässt sich an kalten Tagen oft schon mit der Hand feststellen. Je nach Fenster können verschlissene Dichtungen ersetzt oder andere einfache Abdichtungen eingesetzt werden.

Bei Mietwohnungen solltest du größere Veränderungen natürlich mit dem Vermieter abstimmen.

Besondere Vorsicht ist außerdem bei bestimmten Gasheizungen geboten, die Verbrennungsluft aus dem Raum beziehen. In solchen Fällen sollte vor umfangreichen Abdichtungsmaßnahmen fachlicher Rat eingeholt werden.

7. Warmwasser bewusster verwenden

Beim Wassersparen denken viele zuerst an die Ressource Wasser. Bei warmem Wasser kommt aber noch ein weiterer wichtiger Faktor hinzu: Energie.

Das Wasser muss erwärmt werden. Deshalb spart ein geringerer Warmwasserverbrauch gleichzeitig Wasser und Energie.

Im Alltag kann das ganz unspektakulär aussehen: etwas kürzer duschen, das Wasser beim Einseifen abstellen oder beim Händewaschen nicht automatisch warmes Wasser verwenden.

Das bedeutet nicht, dass du Duschzeiten mit der Stoppuhr kontrollieren musst. Gerade bei regelmäßigem Verbrauch können kleine Veränderungen auf Dauer trotzdem einen Unterschied machen.

8. Tropfende Wasserhähne reparieren

Ein Wasserhahn tropft nur ein bisschen – und wird deshalb gern monatelang ignoriert.

Auf Dauer können sich die einzelnen Tropfen allerdings zu erheblichen Wassermengen summieren. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass aus einem tropfenden Wasserhahn im Laufe eines Jahres mehr als 1.000 Liter werden können.

Bei Warmwasser ist der Verlust noch ungünstiger, weil zusätzlich Energie für die Erwärmung benötigt wurde.

Oft liegt das Problem lediglich an einer Dichtung oder Kartusche. Eine kleine Reparatur kann deshalb sinnvoller sein, als den kompletten Wasserhahn auszutauschen.

9. Leitungswasser statt Flaschenwasser trinken

Eine der einfachsten Möglichkeiten für einen nachhaltigeren Haushalt kommt direkt aus dem Wasserhahn.

Leitungswasser hat in Deutschland grundsätzlich eine sehr hohe Qualität und wird streng kontrolliert. Nach Angaben des Umweltbundesamts verursacht das Trinken von Leitungswasser weniger als ein Prozent der Umweltbelastungen von Mineralwasser.

Neben der Umweltbilanz gibt es einen sehr praktischen Vorteil: Du musst keine Wasserkisten kaufen, transportieren und zurückbringen.

Auch finanziell ist Leitungswasser ausgesprochen günstig.

In Gebäuden mit problematischer Hausinstallation muss allerdings genauer hingeschaut werden. Besonders alte Bleileitungen waren in Altbauten lange ein Thema. Bei Unsicherheit können Vermieter beziehungsweise Eigentümer und der örtliche Wasserversorger wichtige Ansprechpartner sein.

10. Waschmaschinen möglichst gut auslasten

Eine halbvolle Waschmaschine verbraucht nicht automatisch nur halb so viel Strom und Wasser wie eine volle.

Deshalb lohnt es sich in vielen Fällen, mit dem Waschgang zu warten, bis genügend Wäsche zusammengekommen ist. Ausnahmen gibt es natürlich beispielsweise bei bestimmten Fein- und Wollprogrammen.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt ebenfalls, Waschmaschinen gut zu beladen und Waschmittel an Wäschemenge, Verschmutzung und Wasserhärte anzupassen.

Praktischer Nebeneffekt: Weniger Waschgänge bedeuten auch weniger Arbeit.

11. Niedrigere Waschtemperaturen und Eco-Programme nutzen

Viele Textilien müssen nicht bei hohen Temperaturen gewaschen werden. Für normal verschmutzte Alltagswäsche reichen häufig niedrigere Temperaturen.

Auch Eco-Programme sind sinnvoll, obwohl ihre lange Laufzeit zunächst widersprüchlich wirken kann. Die Maschine benötigt mehr Zeit, arbeitet dafür aber unter anderem mit niedrigeren Temperaturen und kann dadurch effizienter reinigen.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt sowohl möglichst niedrige Waschtemperaturen als auch Eco-Programme.

Natürlich gibt es Situationen, in denen höhere Temperaturen aus hygienischen Gründen sinnvoll sein können. Für die normale Alltagswäsche muss die 60-Grad-Wäsche aber nicht automatisch Standard sein.

12. Kleidung häufiger auslüften statt sofort waschen

Nicht jedes Kleidungsstück, das einmal getragen wurde, gehört direkt in den Wäschekorb.

Pullover, Jeans oder Jacken sind häufig noch sauber und müssen lediglich ausgelüftet werden. Das spart Wasser, Waschmittel und Energie und kann gleichzeitig die Fasern schonen.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt ebenfalls, Kleidung ohne Verschmutzungen gegebenenfalls zunächst auszulüften.

Ein einfacher Kleiderhaken oder Bügel kann dafür schon reichen.

Gerade dieser Tipp zeigt gut, dass nachhaltiger wohnen nicht komplizierter sein muss. In diesem Fall bedeutet es sogar: weniger waschen.

13. Wäsche möglichst an der Luft trocknen

Ein Wäschetrockner ist bequem, benötigt aber zusätzliche Energie. Wenn Platz und Wohnsituation es erlauben, ist das Trocknen auf der Leine oder dem Wäscheständer die einfachere Alternative.

Im Sommer funktioniert das draußen besonders gut.

Wer Wäsche innerhalb der Wohnung trocknet, sollte allerdings die zusätzliche Feuchtigkeit berücksichtigen und ausreichend lüften. Gerade in schlecht gedämmten Räumen kann dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit die Schimmelbildung begünstigen.

Es geht also nicht darum, den Trockner grundsätzlich aus der Wohnung zu verbannen. Bei großen Familien, kleinen Wohnungen oder wenig Zeit kann er eine echte Erleichterung sein. Aber vielleicht muss er nicht für jede einzelne Ladung laufen.

14. LED-Lampen verwenden – aber funktionierende Lampen nicht grundlos ersetzen

LEDs sind heute bei der Beleuchtung in der Regel die effiziente Wahl. Trotzdem lohnt sich ein differenzierter Blick.

Wenn irgendwo noch eine alte Glühlampe regelmäßig mehrere Stunden am Tag leuchtet, kann der Austausch gegen eine LED sinnvoll sein. Eine selten genutzte, noch funktionierende Lampe sofort wegzuwerfen, nur um sie durch ein neues Produkt zu ersetzen, ist dagegen nicht zwangsläufig dringend.

Auch bei LEDs gilt: Produktion benötigt Rohstoffe und Energie.

Deshalb ist ein pragmatischer Ansatz sinnvoll: Dort zuerst wechseln, wo Lampen häufig und lange eingeschaltet sind.

Und unabhängig vom Leuchtmittel bleibt die einfachste Sparmaßnahme kostenlos: Licht ausschalten, wenn es nicht gebraucht wird.

15. Stand-by-Verbrauch vermeiden, wo es sinnvoll ist

Fernseher, Spielekonsole, Lautsprecher, Drucker, Kaffeemaschine und andere Geräte können auch dann Strom verbrauchen, wenn sie scheinbar nicht genutzt werden.

Bei einzelnen modernen Geräten ist dieser Verbrauch häufig gering. Bei vielen Geräten und langen Stand-by-Zeiten kann er sich trotzdem summieren.

Praktisch sind schaltbare Steckdosenleisten. Damit lassen sich mehrere Geräte mit einem Handgriff vollständig vom Netz trennen.

Du musst allerdings nicht jeden Abend durch die Wohnung laufen und sämtliche Stecker ziehen. Konzentriere dich lieber auf Geräte oder Gerätegruppen, die lange ungenutzt bleiben und problemlos abgeschaltet werden können.

16. Elektrogeräte möglichst lange verwenden

Neue Geräte werden häufig mit besserer Energieeffizienz beworben. Daraus entsteht schnell der Eindruck, ein älteres Gerät müsse möglichst bald ersetzt werden.

So einfach ist die Rechnung nicht.

Auch die Herstellung eines neuen Gerätes benötigt Rohstoffe und Energie. Deshalb sollte bei einem funktionierenden Gerät neben dem Stromverbrauch immer berücksichtigt werden, wie intensiv es genutzt wird und ob ein Austausch tatsächlich einen relevanten Vorteil bringt.

Besonders bei sehr alten Großverbrauchern kann ein effizientes neues Gerät sinnvoll sein. Bei kleineren oder selten genutzten Geräten ist die Weiterverwendung dagegen oft naheliegender.

Wenn ein Gerät kaputtgeht, lohnt sich außerdem zumindest die Frage, ob eine Reparatur möglich und wirtschaftlich vertretbar ist.

17. Möbel gebraucht kaufen

Ein nachhaltiges Zuhause muss nicht mit neuen „nachhaltigen Möbeln“ eingerichtet werden.

Gebrauchte Möbel haben einen großen Vorteil: Sie existieren bereits.

Kleinanzeigen, Sozialkaufhäuser, Gebrauchtmöbelläden, Flohmärkte und der eigene Bekanntenkreis sind gute Anlaufstellen. Besonders Tische, Regale, Kommoden, Stühle und Massivholzmöbel können problemlos viele Jahre oder sogar Jahrzehnte weiterverwendet werden.

Gebrauchtkauf ist außerdem oft deutlich günstiger als der Kauf neuer Öko-Möbel.

Bei Polstermöbeln und Matratzen spielen dagegen Zustand und Hygiene eine größere Rolle. Hier lohnt sich ein genauer Blick.

18. Bei neuen Möbeln auf Langlebigkeit und Schadstoffe achten

Manchmal ist ein Neukauf sinnvoll oder unvermeidbar. Dann lohnt es sich, nicht nur auf Material und Optik zu schauen.

Wie stabil ist das Möbelstück? Lassen sich Beschläge austauschen? Kann die Oberfläche repariert werden? Ist das Design so speziell, dass es dir wahrscheinlich in zwei Jahren nicht mehr gefällt?

Auch Emissionen aus Materialien, Lacken und Klebstoffen können eine Rolle spielen. Der Blaue Engel kennzeichnet unter anderem emissionsarme Möbel aus Holz und Holzwerkstoffen. Bei diesen Kriterien werden außerdem Anforderungen an Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft berücksichtigt.

Ein Siegel macht ein Möbelstück allerdings nicht automatisch zur besten Lösung. Ein solides gebrauchtes Möbel kann ebenfalls eine sehr sinnvolle Wahl sein.

19. Weniger neu kaufen und vorhandene Dinge besser nutzen

Nachhaltiges Wohnen wird häufig als Konsumthema vermarktet: Bambusboxen, Bio-Bettwäsche, Recyclingteppiche, nachhaltige Deko, neue Vorratsbehälter und diverse „Zero Waste“-Produkte.

Manche davon können praktisch sein. Notwendig sind sie meistens nicht.

Bevor du etwas für ein nachhaltigeres Zuhause kaufst, helfen drei Fragen:

  • Besitze ich bereits etwas, das denselben Zweck erfüllt?
  • Kann ich das benötigte Produkt gebraucht bekommen?
  • Werde ich es tatsächlich regelmäßig und lange benutzen?

Ein altes Schraubglas kann beispielsweise genauso gut Lebensmittel aufbewahren wie ein neu gekauftes Vorratsglas. Ein vorhandener Plastikbehälter wird nicht dadurch umweltschädlicher, dass du ihn weiterhin benutzt.

Nachhaltigkeit entsteht nicht durch eine bestimmte Wohnästhetik.

20. Kleine Veränderungen nach ihrer Wirkung auswählen

Wer beginnt, sich mit nachhaltigem Wohnen zu beschäftigen, stößt schnell auf Dutzende Baustellen. Plastik vermeiden, Strom sparen, Ökostrom wählen, Möbel austauschen, richtig heizen, Wasser sparen, ökologische Reiniger kaufen, Müll reduzieren und am besten noch die komplette Wohnung renovieren.

Das kann eher überfordern als motivieren.

Hilfreicher ist es, Maßnahmen nach ihrer tatsächlichen Bedeutung und nach deinem Alltag auszuwählen.

Wenn du beispielsweise in einer schlecht gedämmten Wohnung wohnst, kann ein bewusster Umgang mit Heizung und Lüftung wesentlich relevanter sein als die Frage, aus welchem Material deine Spülbürste besteht.

Wenn du bereits sehr wenig heizt, dafür aber häufig den Trockner laufen lässt, liegt dein sinnvollster nächster Schritt vielleicht dort.

Und wenn du gerade eine Wohnung einrichtest, kann der Gebrauchtkauf von Möbeln interessanter sein als für jemanden, dessen Wohnung längst vollständig eingerichtet ist.

Nachhaltiger wohnen heißt deshalb nicht, möglichst viele Nachhaltigkeitstipps umzusetzen. Es bedeutet vor allem, dort anzusetzen, wo sich mit vertretbarem Aufwand tatsächlich etwas verbessern lässt.

Nachhaltig wohnen muss nicht teuer sein

Ein häufiges Missverständnis lautet, Nachhaltigkeit sei vor allem eine Frage des Geldes.

Das stimmt teilweise: Eine energetische Sanierung, neue Fenster, eine Wärmepumpe oder besonders hochwertige Möbel können erhebliche Investitionen erfordern.

Viele Veränderungen im Alltag funktionieren aber genau andersherum. Sie sparen Geld oder kosten zumindest kaum etwas.

Weniger Heizenergie, weniger Warmwasser, gut gefüllte Waschmaschinen, Leitungswasser, gebrauchte Möbel und länger genutzte Geräte können sowohl Ressourcen als auch Haushaltsbudget schonen.

Problematisch wird es eher dann, wenn Nachhaltigkeit mit ständigem Neukauf verbunden wird. Wer alle vorhandenen Haushaltsgegenstände durch Produkte mit grünen Labels ersetzt, verbraucht zunächst einmal zusätzliche Ressourcen.

Deshalb lohnt es sich, beim nachhaltigen Wohnen nicht nur zu fragen:

„Was kann ich nachhaltiger kaufen?“

Mindestens genauso wichtig ist:

„Was muss ich überhaupt kaufen?“

Welche Maßnahmen bringen beim nachhaltigen Wohnen besonders viel?

Nicht alle Tipps haben dieselbe Wirkung.

Beim Energieverbrauch des Wohnens spielt die Raumwärme eine besonders große Rolle. Deshalb sind vernünftiges Heizen, Lüften und der energetische Zustand des Gebäudes wichtige Faktoren. Auch Warmwasser ist relevant.

Danach lohnt sich ein Blick auf größere und häufig genutzte Elektrogeräte sowie das eigene Nutzungsverhalten.

Viele kleinere Maßnahmen – etwa wiederverwendbare Haushaltsprodukte oder nachhaltigere Dekoration – können ebenfalls sinnvoll sein. Ihre Bedeutung sollte aber nicht überschätzt werden.

Wer mit wenigen Veränderungen anfangen möchte, kann deshalb zuerst diese Bereiche prüfen:

  1. Heizung und Raumtemperatur
  2. Warmwasser
  3. Stromverbrauch größerer Geräte
  4. Lebensdauer und Reparatur vorhandener Dinge
  5. Gebrauchtkauf statt Neukauf

So bleibt nachhaltiges Wohnen überschaubar.

Nachhaltig wohnen als Mieter: Was ist überhaupt möglich?

Auch ohne eigenes Haus gibt es viele Möglichkeiten.

Als Mieter kannst du dein Heiz- und Lüftungsverhalten beeinflussen, Strom und Warmwasser sparen, Möbel gebraucht kaufen, Geräte länger nutzen und deinen Konsum reduzieren. Je nach Wohnung können außerdem programmierbare Thermostate oder einfache Abdichtungen infrage kommen.

Bei baulichen Veränderungen sieht es anders aus. Neue Fenster, Dämmung, größere Veränderungen an der Heizungsanlage oder fest installierte Technik liegen normalerweise nicht allein in deiner Hand.

Das ist ein wichtiger Punkt: Nicht jede Umweltbelastung beim Wohnen lässt sich durch individuelles Verhalten lösen.

Der energetische Zustand eines Gebäudes kann einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie viel Energie für angenehme Raumtemperaturen notwendig ist. Wer in einem schlecht gedämmten Altbau lebt, kann diesen Nachteil nicht vollständig durch besonders diszipliniertes Verhalten ausgleichen.

Nachhaltiges Wohnen bedeutet deshalb auch, die Grenzen der eigenen Möglichkeiten realistisch zu sehen.

Fazit: Nachhaltiger wohnen beginnt meistens mit dem, was schon da ist

Für ein nachhaltigeres Zuhause brauchst du weder eine perfekt ökologische Einrichtung noch zwanzig neue „grüne“ Produkte.

Oft liegen die sinnvollsten Möglichkeiten direkt im Alltag: Räume angemessen heizen, kurz und kräftig lüften, Warmwasser sparen, Waschmaschinen gut füllen, Dinge reparieren, Möbel gebraucht kaufen und vorhandene Produkte möglichst lange nutzen.

Gerade beim Wohnen lohnt sich außerdem der Blick auf die großen Stellschrauben. Ein etwas bewussterer Umgang mit Heizenergie kann wichtiger sein als viele kleine Konsumentscheidungen zusammen.

Und nicht jede der 20 Ideen muss bei dir umgesetzt werden.

Such dir zunächst die Punkte heraus, die zu deiner Wohnsituation passen und ohne großen Aufwand funktionieren. Nachhaltiger wohnen ist schließlich kein Einrichtungsstil und auch kein Wettbewerb. Im besten Fall bedeutet es einfach, mit Energie, Wasser, Möbeln und anderen Ressourcen etwas bewusster umzugehen.

FAQ: Häufige Fragen zum nachhaltigen Wohnen

Wie kann ich sofort nachhaltiger wohnen?

Besonders einfach sind Veränderungen, für die du nichts kaufen musst. Dazu gehören beispielsweise bewusstes Heizen, Stoßlüften statt dauerhaft gekippter Fenster, Licht in ungenutzten Räumen ausschalten, Waschmaschinen gut füllen, Kleidung häufiger auslüften und vorhandene Gegenstände länger verwenden.

Ist nachhaltiges Wohnen teuer?

Nicht zwangsläufig. Energetische Sanierungen oder neue Heizsysteme können teuer sein, viele Maßnahmen im Alltag kosten dagegen wenig oder gar nichts. Energie und Warmwasser sparen, gebrauchte Möbel kaufen und Dinge länger verwenden können sogar die laufenden Kosten reduzieren.

Was ist wichtiger: Strom sparen oder Heizenergie sparen?

Das hängt von Gebäude und Haushalt ab. Raumwärme gehört in Deutschland jedoch zu den besonders bedeutenden Bereichen des Energieverbrauchs beim Wohnen. Deshalb lohnt es sich meistens, Heizung und Warmwasser nicht aus den Augen zu verlieren, auch wenn Stromsparen ebenfalls sinnvoll ist.

Sind nachhaltige Möbel immer besser als gebrauchte Möbel?

Nein. Ein neu produziertes Möbel benötigt Rohstoffe, Energie und Transport. Ein gut erhaltenes Möbelstück weiterzuverwenden kann deshalb eine sehr sinnvolle Lösung sein. Wenn du neu kaufst, sind unter anderem Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Materialherkunft und geringe Schadstoffemissionen interessante Kriterien.

Muss ich alte Elektrogeräte gegen energieeffiziente Modelle austauschen?

Nicht automatisch. Bei einem sehr alten Gerät mit hohem Stromverbrauch kann ein Austausch sinnvoll sein. Gleichzeitig verursacht auch die Herstellung eines neuen Geräts Umweltbelastungen. Deshalb sollte man Alter, Verbrauch, Nutzungshäufigkeit, Reparierbarkeit und voraussichtliche Lebensdauer gemeinsam betrachten.

Wie kann ich als Mieter nachhaltiger wohnen?

Auch in einer Mietwohnung kannst du unter anderem Heizenergie, Warmwasser und Strom sparen, gebrauchte Möbel verwenden, Geräte länger nutzen, Müll vermeiden und bewusst einkaufen. Bei baulichen Maßnahmen sind die Möglichkeiten begrenzter, weil dafür häufig der Vermieter zuständig ist oder zustimmen muss.

Was ist der einfachste Grundsatz für nachhaltiges Wohnen?

Nutze zunächst, was bereits vorhanden ist. Wenn etwas kaputtgeht, prüfe eine Reparatur. Wenn du etwas brauchst, kommt eventuell ein gebrauchtes Produkt infrage. Erst danach stellt sich die Frage, welches neue Produkt die sinnvollste Wahl ist.