Strom sparen im Haushalt: Energie intelligent nutzen

Strom sparen im Haushalt muss nicht bedeuten, ständig über jede eingeschaltete Lampe nachzudenken oder auf Komfort zu verzichten. Oft lohnt es sich mehr, die größeren und dauerhaft laufenden Verbraucher unter die Lupe zu nehmen und elektrische Geräte sinnvoll einzustellen und zu nutzen.

Dabei geht es nicht nur darum, möglichst effiziente Neugeräte zu kaufen. Ein Kühlschrank, Fernseher oder Computer, der bereits vorhanden ist und zuverlässig funktioniert, hat schließlich schon Ressourcen und Energie für seine Herstellung benötigt. Deshalb gehört zu einem bewussten Umgang mit Energie auch die Frage: Kann ich das vorhandene Gerät sinnvoll weiterverwenden, seinen Verbrauch reduzieren oder es reparieren lassen?

Strom sparen im Haushalt: Wo lohnt sich der Blick zuerst?

Elektrische Geräte begleiten uns fast durchgehend durch den Alltag. Kühlschrank und Router laufen häufig rund um die Uhr, Waschmaschine und Geschirrspüler regelmäßig, Fernseher, Computer oder Spielekonsole je nach Haushalt mehrere Stunden am Tag.

Deshalb gibt es nicht den einen Stromspartipp, der in jedem Haushalt besonders viel bringt. Sinnvoller ist es, zunächst herauszufinden, wo der Strom tatsächlich verbraucht wird.

Ein Strommessgerät kann dabei helfen. Es wird zwischen Steckdose und Gerät gesteckt und zeigt an, wie viel Strom ein Gerät im Betrieb und – je nach Messgerät – auch im Bereitschaftsmodus benötigt. Besonders interessant sind ältere Kühlgeräte, Unterhaltungselektronik, Computertechnik und Geräte, die ständig am Stromnetz hängen.

So musst du nicht auf Verdacht Geräte austauschen, sondern kannst dort ansetzen, wo in deinem Haushalt tatsächlich Einsparpotenzial vorhanden ist.

Beim Neukauf auf das EU-Energielabel achten

Wenn ein Elektrogerät ohnehin ersetzt werden muss, lohnt sich der Blick auf dessen Energieverbrauch. Bei vielen Haushaltsgeräten hilft dabei das EU-Energielabel.

Die früher bekannten Klassen A+, A++ und A+++ sind bei den meisten neu skalierten Produktgruppen verschwunden. Dort reicht die Skala wieder von A bis G, wobei A für die effizientesten Geräte der jeweiligen Produktgruppe steht.

Der Buchstabe allein reicht für eine gute Kaufentscheidung allerdings nicht aus.

Achte zusätzlich auf den angegebenen Stromverbrauch. Je nach Gerät wird dieser beispielsweise in Kilowattstunden pro Jahr oder pro 100 Betriebszyklen angegeben. Dadurch kannst du verschiedene Modelle besser miteinander vergleichen.

Größe und Ausstattung beeinflussen den Stromverbrauch

Ein großes Gerät kann trotz guter Effizienzklasse mehr Strom verbrauchen als ein kleineres Modell mit einer schlechteren Klasse. Das ist beispielsweise bei Kühlgeräten relevant.

Deshalb lohnt es sich, vor dem Kauf zu überlegen, welche Größe und Ausstattung du tatsächlich brauchst. Ein besonders großer Kühlschrank bietet zwar viel Platz, benötigt diesen Platz aber möglicherweise dauerhaft für Luft statt für Lebensmittel.

Ähnliches gilt für Fernseher: Ein größerer Bildschirm benötigt in der Regel mehr Energie als ein vergleichbares kleineres Gerät.

Statt ausschließlich nach der besten Effizienzklasse zu suchen, kannst du deshalb drei Dinge gemeinsam betrachten:

  • Energieeffizienzklasse
  • tatsächlichen Stromverbrauch
  • Größe und Ausstattung des Geräts

So lässt sich besser einschätzen, welches Gerät zu deinem Alltag passt.

Muss ein älteres Gerät gegen ein sparsames neues ausgetauscht werden?

Nicht automatisch.

Ein neues Gerät benötigt Rohstoffe und Energie für Herstellung, Transport und Handel. Deshalb wäre es zu einfach, jedes ältere Elektrogerät allein aufgrund einer schlechteren Energieeffizienz durch ein neues zu ersetzen.

Bei einem sehr alten Kühlschrank mit hohem Stromverbrauch kann ein Austausch durchaus sinnvoll sein. Bei einem funktionierenden Gerät mit moderatem Verbrauch kann eine längere Nutzung dagegen die bessere Lösung sein.

Wenn du unsicher bist, kannst du den tatsächlichen Verbrauch messen und mit aktuellen Geräten vergleichen. Beim Kühlschrank lässt sich beispielsweise der Jahresverbrauch relativ einfach abschätzen, wenn über einen ausreichend langen Zeitraum gemessen wird.

Berücksichtige beim Vergleich nicht nur mögliche Stromkosten, sondern auch den Kaufpreis des neuen Geräts und die Tatsache, dass für seine Herstellung neue Ressourcen benötigt werden.

Auch eine Reparatur kann sinnvoll sein. Ob sie sich lohnt, hängt unter anderem vom Alter des Geräts, dem Defekt, den Reparaturkosten und dem Stromverbrauch ab.

Kühlschrank richtig nutzen und Strom sparen

Kühl- und Gefriergeräte gehören zu den besonderen Stromverbrauchern im Haushalt, weil sie rund um die Uhr in Betrieb sind.

Ein einfacher Ansatzpunkt ist die Temperatur. Für den Kühlschrank reichen in der Regel etwa 7 °C im oberen Bereich aus. Eine unnötig niedrige Einstellung erhöht den Energieverbrauch.

Auch der Standort spielt eine Rolle. Ein Kühlschrank muss Wärme an seine Umgebung abgeben können. Direkt neben einer Heizung oder anderen starken Wärmequelle ist das schwieriger. Auch ausreichende Belüftung entsprechend den Herstellerangaben ist wichtig.

Weitere kleine Gewohnheiten können ebenfalls helfen: Lass warme Speisen zunächst abkühlen, bevor sie in den Kühlschrank kommen, und öffne die Tür nicht länger als nötig.

Entscheidend ist allerdings die Verhältnismäßigkeit. Du musst nicht hektisch die Kühlschranktür zuschlagen, nur um einige Sekunden Öffnungszeit zu vermeiden. Dauerhaft sinnvolle Einstellungen und ein passender Gerätestandort sind im Alltag meist die entspanntere Strategie.

Stand-by vermeiden – aber realistisch bleiben

Fernseher, Spielekonsolen, Audiogeräte, Drucker und andere elektronische Geräte können auch dann Strom benötigen, wenn du sie gerade nicht aktiv verwendest.

Stand-by ist dabei nur eine Form des sogenannten Leerlaufverbrauchs. Vernetzte Geräte müssen teilweise erreichbar bleiben, um bestimmte Funktionen auszuführen. Ein Router beispielsweise wird normalerweise nicht genauso behandelt wie eine Stereoanlage, die tagelang nicht benutzt wird.

Deshalb ist die Regel „alles immer vom Strom trennen“ zu pauschal.

Bei Geräten, die längere Zeit nicht benötigt werden und problemlos vollständig ausgeschaltet werden können, kann das Abschalten sinnvoll sein. Praktisch sind schaltbare Steckdosenleisten, mit denen sich mehrere Geräte gemeinsam vom Netz trennen lassen.

Wie viel du dadurch sparst, lässt sich nicht seriös mit einem festen Eurobetrag angeben. Moderne Geräte können im Bereitschaftsbetrieb sehr wenig Strom benötigen, während ältere Geräte oder bestimmte vernetzte Technik höhere Leerlaufverbräuche haben können.

Auch hier hilft im Zweifel ein Strommessgerät mehr als eine pauschale Sparregel.

Dauerläufer nicht vergessen

Besonders interessant sind Geräte, die 24 Stunden am Tag laufen.

Dazu gehört in vielen Haushalten neben Kühlschrank und Gefriergerät auch der Internetrouter. Selbst eine vergleichsweise geringe Leistungsaufnahme summiert sich bei einem ganzjährigen Betrieb.

Bevor du den Router nachts automatisch abschaltest, solltest du allerdings prüfen, welche Funktionen daran hängen. Festnetztelefonie, Smart-Home-Geräte, Sicherheitsfunktionen oder automatische Updates können eine dauerhafte Verbindung benötigen.

Bei einem Neukauf kann deshalb ein niedriger Energieverbrauch ein Auswahlkriterium sein. Der Blaue Engel berücksichtigt bei entsprechend zertifizierten Routern unter anderem Energieeffizienz sowie Anforderungen an Langlebigkeit und Reparaturservice.

Waschmaschine und Geschirrspüler sinnvoll nutzen

Bei Waschmaschine und Geschirrspüler wird ein großer Teil der Energie für das Erwärmen des Wassers benötigt. Deshalb können Eco-Programme trotz ihrer längeren Laufzeit weniger Energie verbrauchen als kurze Programme.

Das wirkt zunächst widersprüchlich: Das Gerät läuft länger und soll trotzdem sparsamer sein. Eco-Programme arbeiten jedoch häufig mit niedrigeren Temperaturen und lassen Wasser beziehungsweise Reinigungsmittel länger einwirken.

Auch die Auslastung spielt eine Rolle. Eine Maschine wegen weniger Teile laufen zu lassen, ist meist weniger effizient als eine gut ausgelastete Maschine. Überladen solltest du sie allerdings ebenfalls nicht – hier helfen die Angaben des Herstellers.

Bei der Waschtemperatur gilt außerdem: Nicht jede Wäsche benötigt hohe Temperaturen. Welche Temperatur sinnvoll ist, hängt von Textilien, Verschmutzung und hygienischen Anforderungen ab.

Unterhaltungselektronik bewusst auswählen und einstellen

Bei Fernsehern, Computern und anderer Unterhaltungselektronik beeinflussen nicht nur Effizienz und Nutzungsdauer den Stromverbrauch.

Beim Fernseher spielt beispielsweise die Bildschirmgröße eine Rolle. Auch sehr hohe Helligkeitseinstellungen können den Energiebedarf erhöhen.

Computer und Monitore müssen ebenfalls nicht dauerhaft mit voller Leistung laufen. Energiespar- und Ruhefunktionen können den Verbrauch reduzieren, wenn du eine Pause machst.

Noch wichtiger aus Sicht des Ressourcenverbrauchs ist häufig die Nutzungsdauer. Computer, Smartphones und andere elektronische Geräte enthalten zahlreiche Rohstoffe und verursachen bereits bei der Herstellung Umweltbelastungen.

Ein Gerät möglichst lange zu nutzen, bei Bedarf aufzurüsten oder reparieren zu lassen, kann deshalb genauso wichtig sein wie ein niedriger Stromverbrauch während der Nutzung.

Was sagt der Blaue Engel bei Elektrogeräten aus?

Der Blaue Engel kann beim Kauf bestimmter Elektro- und Elektronikgeräte eine zusätzliche Orientierung bieten. Er ist jedoch nicht einfach ein zweites Energielabel.

Die Kriterien unterscheiden sich je nach Produktgruppe. Bei Computern können beispielsweise neben einem geringen Energieverbrauch auch Reparierbarkeit, Softwareupdates, Schadstoffanforderungen und eine recyclinggerechte Konstruktion eine Rolle spielen.

Bei anderen Produktgruppen gelten entsprechend andere Anforderungen.

Das macht deutlich, warum Energieeffizienz nur ein Teil einer nachhaltigeren Kaufentscheidung ist. Ein Gerät, das wenig Strom benötigt, aber nach kurzer Zeit nicht mehr repariert oder mit Updates versorgt werden kann, ist aus Ressourcensicht nicht automatisch die beste Wahl.

Stromverbrauch messen statt raten

Wer Strom sparen möchte, muss nicht sämtliche Elektrogeräte gleichzeitig optimieren.

Ein sinnvoller erster Schritt ist eine kleine Bestandsaufnahme. Welche Geräte laufen ständig? Welche sind besonders alt? Wo vermutest du einen hohen Verbrauch? Welche Geräte befinden sich dauerhaft im Bereitschaftsmodus?

Anschließend kannst du einzelne Verbraucher messen.

Bei Geräten mit wechselnder Leistungsaufnahme sollte die Messung lange genug laufen, damit das Ergebnis aussagekräftig ist. Das gilt besonders für Kühlschränke, deren Kompressor sich immer wieder ein- und ausschaltet.

Den gemessenen Jahresverbrauch kannst du anschließend mit deinem Strompreis multiplizieren. So siehst du unmittelbar, was das Gerät ungefähr pro Jahr kostet.

Beispiel: Verbraucht ein Gerät 200 Kilowattstunden im Jahr, multiplizierst du 200 mit deinem aktuellen Preis pro Kilowattstunde. Auf diese Weise bleibt die Berechnung auch dann brauchbar, wenn sich Strompreise ändern.

Kleine Maßnahmen oder neues Gerät – was ist sinnvoller?

Beim Stromsparen wird häufig sofort über Neuanschaffungen gesprochen. Dabei können einfache Maßnahmen zunächst sinnvoller sein.

Prüfe zum Beispiel Einstellungen, Eco-Programme und unnötige Bereitschaftszeiten. Miss auffällige Geräte und überlege erst anschließend, ob ein Austausch wirklich sinnvoll ist.

Wenn ein Gerät ohnehin kaputt ist und nicht wirtschaftlich repariert werden kann, bietet der Neukauf die Gelegenheit, auf Energieverbrauch, passende Größe, Reparierbarkeit und möglichst lange Nutzbarkeit zu achten.

Funktionierende Geräte vorsorglich gegen vermeintlich „grünere“ Modelle auszutauschen, ist dagegen nicht automatisch nachhaltiger.

Strom sparen ohne ständig daran denken zu müssen

Die praktischsten Energiesparmaßnahmen sind oft diejenigen, die nach der Einrichtung fast von selbst funktionieren.

Energiesparmodi können automatisch aktiviert werden. Eine schaltbare Steckdosenleiste macht das vollständige Abschalten mehrerer Geräte einfacher. Eine passende Kühlschranktemperatur muss nur einmal eingestellt werden. Eco-Programme lassen sich zur normalen Routine machen.

So wird Stromsparen weniger zu einer täglichen Disziplinübung und mehr zu einer Frage sinnvoller Einstellungen.

Fazit: Energie intelligent nutzen statt auf Verdacht Geräte austauschen

Strom sparen im Haushalt beginnt nicht zwangsläufig mit dem Kauf neuer Technik. Oft ist es sinnvoller, zunächst herauszufinden, wo der eigene Strom tatsächlich verbraucht wird.

Bei vorhandenen Geräten können passende Einstellungen, Eco-Programme und das Vermeiden unnötiger Leerlaufzeiten helfen. Muss ein Gerät ersetzt werden, bieten das EU-Energielabel und – bei geeigneten Produktgruppen – Umweltzeichen wie der Blaue Engel Orientierung.

Dabei lohnt sich ein Blick über den reinen Stromverbrauch hinaus. Größe, Lebensdauer, Reparierbarkeit und die Möglichkeit, ein vorhandenes Gerät weiterzuverwenden, gehören ebenfalls zu einer bewussten Entscheidung.

So wird Energiesparen alltagstauglich: nicht durch Perfektion, sondern indem du dort ansetzt, wo mit vertretbarem Aufwand tatsächlich weniger Energie und Ressourcen benötigt werden.