Ist Ökostrom wirklich teurer? Was hinter Strompreis und Ökostromtarifen steckt

Ökostrom klingt für viele noch immer nach einer guten, aber teureren Alternative zum normalen Stromtarif. Schließlich kostet die Energiewende Geld, Stromnetze müssen ausgebaut und Windräder sowie Solaranlagen errichtet werden. Also müsste Ökostrom doch eigentlich mehr kosten – oder?

So einfach ist es nicht. Ökostrom ist heute nicht grundsätzlich teurer als konventioneller Strom. Je nach Anbieter, Tarif, Wohnort und Verbrauch kann ein Ökostromtarif günstiger oder teurer sein. Gleichzeitig sagt der Preis allein noch wenig darüber aus, wie viel ein Tarif tatsächlich zur Energiewende beiträgt.

Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick darauf, wie unser Strompreis überhaupt entsteht.

Ist Ökostrom teurer als normaler Strom?

Wer Stromtarife vergleicht, findet längst nicht mehr nur teure Ökoangebote. Ökostromtarife können preislich durchaus mit konventionellen Angeboten mithalten.

Das zeigen auch Daten der Bundesnetzagentur. Zum Stichtag 1. April 2025 lag der durchschnittliche Preis für Ökostrom für Haushaltskunden bei 39,32 Cent pro Kilowattstunde. Damit war Ökostrom im Durchschnitt günstiger als Verträge beim Grundversorger, lag allerdings noch etwas über den günstigsten konventionellen Angeboten anderer Wettbewerbsanbieter.

Die entscheidende Erkenntnis lautet deshalb nicht, dass Ökostrom immer günstiger ist. Genauso wenig stimmt aber die pauschale Behauptung, Ökostrom müsse grundsätzlich teurer sein.

Der Preis eines Stromtarifs hängt von deutlich mehr Faktoren ab als davon, ob auf dem Tarif „Ökostrom“ steht.

Warum ist Strom in Deutschland überhaupt so teuer?

Auf deiner Stromrechnung bezahlst du nicht einfach nur die Herstellung des Stroms.

Der Strompreis besteht aus verschiedenen Bestandteilen. Dazu gehören die Beschaffung und der Vertrieb des Stroms, Netzentgelte und Messkosten sowie Steuern, Abgaben und Umlagen.

Die Bundesnetzagentur bezifferte den durchschnittlichen Strompreis für Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch zwischen 2.500 und 5.000 Kilowattstunden zum 1. April 2025 auf 40,05 Cent pro Kilowattstunde.

Das macht deutlich, warum die Frage „Welche Stromart ist am billigsten?“ nicht ausreicht, um die Höhe deiner Stromrechnung zu erklären.

Selbst wenn eine Windkraft- oder Photovoltaikanlage Strom zu niedrigen laufenden Kosten erzeugt, müssen Stromnetze betrieben und ausgebaut werden. Hinzu kommen Steuern, Abgaben, Messkosten, Vertriebskosten und die Kosten der Strombeschaffung.

Auch dein Tarif spielt eine erhebliche Rolle. Grundpreis, Arbeitspreis, Preisgarantie und Vertragsbedingungen können sich von Anbieter zu Anbieter deutlich unterscheiden.

Die EEG-Umlage ist kein sinnvoller Maßstab mehr

Als dieser Artikel ursprünglich 2012 erschien, bestimmte vor allem die EEG-Umlage die öffentliche Diskussion über die Kosten der Energiewende.

Damals wurde ein erheblicher Teil der Förderung erneuerbarer Energien über einen Aufschlag auf den Strompreis finanziert. Entsprechend einfach ließ sich der Eindruck vermitteln: Mehr erneuerbare Energien bedeuten eine höhere EEG-Umlage und damit höhere Stromrechnungen.

Diese Argumentation ist für die heutige Situation überholt.

Die frühere EEG-Umlage auf der Stromrechnung gibt es nicht mehr. Deshalb wäre es irreführend, heutige Strompreise noch mit den Zahlen und Diskussionen aus den frühen 2010er-Jahren zu erklären.

Hinzu kommt, dass sich der Strommarkt erheblich verändert hat. Erneuerbare Energien stellen inzwischen einen großen Teil der deutschen Stromerzeugung. Nach Angaben der Bundesnetzagentur stammten 2025 rund 58,8 Prozent der realisierten Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern.

Windkraft hatte dabei den größten Anteil unter den einzelnen Energieträgern. Gleichzeitig nahm insbesondere die Stromerzeugung aus Photovoltaik weiter zu.

Erneuerbare Energien sind damit längst keine kleine Ergänzung des Stromsystems mehr.

Warum machen Wind- und Solarstrom den Strom nicht automatisch billig?

Das wirkt zunächst widersprüchlich: Sonne und Wind stellen keine Rechnung. Warum zahlen Haushalte dann nicht automatisch deutlich weniger für Strom, wenn immer mehr Wind- und Solarenergie erzeugt wird?

Ein Grund liegt in der Funktionsweise des Strommarktes.

An der Strombörse werden Kraftwerke vereinfacht gesagt entsprechend ihrer kurzfristigen Erzeugungskosten eingesetzt. Wind- und Solaranlagen haben dabei einen Vorteil: Für Wind und Sonnenlicht fallen keine Brennstoffkosten an.

Trotzdem bestimmt nicht einfach das billigste Kraftwerk den Börsenstrompreis.

Entscheidend ist in vielen Stunden das teuerste Kraftwerk, das noch benötigt wird, um die Nachfrage zu decken. Werden beispielsweise Gaskraftwerke gebraucht und ist die Stromerzeugung aus Gas teuer, kann das den Marktpreis beeinflussen.

Das erklärt auch, warum hohe Gaspreise in der Vergangenheit den Strompreis stark beeinflussen konnten, obwohl ein erheblicher Teil des Stroms gar nicht mit Erdgas erzeugt wurde.

Je mehr Strom in bestimmten Stunden aus Anlagen mit niedrigen Grenzkosten zur Verfügung steht, desto weniger häufig müssen teurere Kraftwerke eingesetzt werden. Das kann die Börsenpreise dämpfen.

Auf deiner Stromrechnung kommt dieser Effekt allerdings nicht eins zu eins an. Zwischen Börsenstrompreis und Haushaltsstrompreis liegen weitere Kostenbestandteile sowie die Beschaffungsstrategie deines Stromanbieters.

Erneuerbare Energien haben niedrigere Umweltkosten

Bei der Diskussion über die Kosten verschiedener Arten der Stromerzeugung gibt es außerdem einen Punkt, der auf der Stromrechnung kaum sichtbar ist: Umwelt- und Klimaschäden.

Kohle, Erdgas oder Öl verursachen nicht nur Kosten für Kraftwerke und Brennstoffe. Bei ihrer Nutzung entstehen Treibhausgase und Luftschadstoffe. Ein Teil der daraus resultierenden Schäden wird nicht direkt über den Strompreis bezahlt.

Das Umweltbundesamt versucht deshalb, solche Auswirkungen als sogenannte Umweltkosten zu beziffern.

Dabei zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen verschiedenen Energieträgern. Strom aus Braun- und Steinkohle verursacht nach den Berechnungen des Umweltbundesamtes erheblich höhere Umweltkosten als Strom aus Windenergie oder Photovoltaik.

Solche Berechnungen sind keine exakte Rechnung darüber, was eine einzelne Kilowattstunde „wirklich“ kostet. Die Ergebnisse hängen unter anderem davon ab, wie Klima- und Gesundheitsschäden bewertet werden.

Sie machen aber einen wichtigen Punkt deutlich: Ein Vergleich allein anhand des Preises auf der Stromrechnung bildet nicht alle gesellschaftlichen Kosten der Stromerzeugung ab.

Auch erneuerbare Energien sind dabei nicht frei von Umweltwirkungen. Windräder, Photovoltaikanlagen, Stromleitungen und Speicher benötigen Rohstoffe, Flächen und Energie. Anlagen müssen hergestellt, transportiert, gewartet und irgendwann zurückgebaut beziehungsweise recycelt werden.

„Erneuerbar“ bedeutet deshalb nicht automatisch „ohne Umweltauswirkungen“. Bei einer Gesamtbetrachtung unterscheiden sich die Auswirkungen der verschiedenen Technologien jedoch deutlich.

Was bedeutet Ökostrom eigentlich?

Hier wird es für deinen Alltag besonders interessant.

Wenn du einen Ökostromtarif abschließt, wird nicht eine eigene Stromleitung vom nächsten Windrad bis zu deiner Steckdose gelegt. Im öffentlichen Stromnetz vermischt sich Strom aus unterschiedlichen Erzeugungsanlagen.

Ökostrom funktioniert deshalb über ein bilanzielles Nachweissystem.

Für Strom, den ein Anbieter als Ökostrom verkauft, muss er entsprechende Herkunftsnachweise verwenden. Ein Herkunftsnachweis dokumentiert, dass eine bestimmte Menge Strom aus erneuerbaren Energien in das europäische Stromnetz eingespeist wurde.

Das Umweltbundesamt führt dafür in Deutschland das Herkunftsnachweisregister.

Dadurch soll unter anderem verhindert werden, dass dieselbe erneuerbar erzeugte Strommenge mehrfach als Ökostrom verkauft wird.

Wichtig ist allerdings: Ein Herkunftsnachweis bewertet nicht automatisch die ökologische Qualität eines Stromtarifs.

Er dokumentiert die erneuerbare Herkunft der entsprechenden Strommenge. Ob der Tarif darüber hinaus den Bau neuer Anlagen unterstützt oder andere ökologische Anforderungen erfüllt, lässt sich daraus allein nicht ableiten.

Nicht jeder Ökostromtarif bringt zusätzlichen Nutzen

Genau an diesem Punkt lohnt sich beim Tarifvergleich ein genauerer Blick.

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die Wahl irgendeines Ökostromtarifs nicht automatisch zu einem zusätzlichen Ausbau erneuerbarer Energien führt.

Ein Grund dafür ist der europäische Handel mit Herkunftsnachweisen. Solche Nachweise können beispielsweise aus bestehenden Wasserkraftwerken im europäischen Ausland stammen. Die erneuerbare Stromerzeugung hätte dann möglicherweise auch ohne deinen Tarif stattgefunden.

Der Anbieter kann mit den entsprechenden Herkunftsnachweisen trotzdem einen Ökostromtarif anbieten.

Das bedeutet nicht, dass der Strom „gefälscht“ wäre. Die entsprechende Menge erneuerbarer Energie wurde tatsächlich erzeugt und bilanziell zugeordnet. Der zusätzliche Effekt für den Ausbau erneuerbarer Energien kann jedoch gering sein.

Wenn dir nicht nur die erneuerbare Herkunft, sondern auch ein zusätzlicher Beitrag zur Energiewende wichtig ist, lohnt sich deshalb ein Blick auf die Bedingungen des Tarifs.

Woran erkennst du einen sinnvolleren Ökostromtarif?

Der niedrigste Preis und die Bezeichnung „100 Prozent Ökostrom“ reichen als Auswahlkriterien nicht unbedingt aus.

Zusätzliche Ökostromlabels können strengere Anforderungen stellen. Je nach Label kann beispielsweise verlangt werden, dass ein Teil der Einnahmen in neue Anlagen fließt oder dass weitere ökologische Kriterien erfüllt werden.

Auch das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Herkunftsnachweise selbst keine Bewertung der ökologischen Qualität eines Stromprodukts enthalten. Für eine solche Bewertung können zusätzliche Ökostromlabels hilfreich sein.

Beim Vergleich kannst du deshalb mehrere Dinge gleichzeitig betrachten:

  • Wie hoch sind Arbeitspreis und Grundpreis?
  • Wie lang sind Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist?
  • Gibt es eine Preisgarantie und was umfasst sie?
  • Woher stammen die Herkunftsnachweise?
  • Gibt es ein anspruchsvolles Ökostromlabel?
  • Unterstützt der Tarif nachweisbar zusätzliche Projekte oder neue Anlagen?

So lässt sich vermeiden, nur nach einem grünen Namen oder einem besonders niedrigen Einstiegspreis zu entscheiden.

Ein günstiger Ökostromtarif ist nicht automatisch Greenwashing

Umgekehrt wäre es ebenfalls falsch, einen günstigen Ökostromtarif grundsätzlich als Greenwashing abzutun.

Dass Ökostrom preislich konkurrenzfähig ist, ist zunächst einmal nichts Ungewöhnliches. Erneuerbare Energien sind heute ein wesentlicher Bestandteil der Stromversorgung und Ökostromtarife längst ein Massenprodukt.

Nach Daten des Monitoringberichts 2025 bezogen bereits rund zwei Drittel der Haushaltskunden Ökostrom.

Entscheidend ist deshalb weniger die Frage, ob ein Tarif billig oder teuer ist, sondern was hinter dem Angebot steckt.

Ein Tarif kann die gesetzlichen Anforderungen an Ökostrom erfüllen, ohne einen besonders großen zusätzlichen Effekt auf den Ausbau erneuerbarer Energien zu haben. Ein anderer Anbieter kann darüber hinaus gezielt in neue Anlagen investieren oder zusätzliche ökologische Kriterien berücksichtigen.

Diese Unterschiede sind für Verbraucher allerdings nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.

Was kannst du tun, wenn du deine Stromkosten senken möchtest?

Die Wahl eines günstigeren Tarifs ist nur eine Möglichkeit.

Mindestens genauso interessant ist dein tatsächlicher Stromverbrauch. Denn jede Kilowattstunde, die du nicht benötigst, musst du auch nicht bezahlen.

Dabei geht es nicht darum, im Dunkeln zu sitzen oder sämtliche Elektrogeräte auszutauschen.

Oft lohnt es sich zunächst herauszufinden, wo der Strom überhaupt verbraucht wird. Alte Kühl- und Gefriergeräte, elektrische Warmwasserbereitung, Trockner, dauerhaft laufende Geräte oder ein ungewöhnlich hoher Stand-by-Verbrauch können beispielsweise ins Gewicht fallen.

Bevor du ein funktionierendes Gerät durch ein neues vermeintliches „Energiespargerät“ ersetzt, solltest du allerdings rechnen. Die Herstellung eines neuen Geräts benötigt ebenfalls Rohstoffe und Energie. Ein Austausch ist ökologisch und finanziell vor allem dann interessant, wenn der Verbrauchsunterschied groß genug ist oder das alte Gerät ohnehin ersetzt werden muss.

Auch hier gilt also: Nachhaltigkeit bedeutet nicht automatisch, etwas Neues zu kaufen.

Ökostrom oder Strom sparen – was ist wichtiger?

Beides setzt an unterschiedlichen Stellen an.

Mit einem passenden Ökostromtarif kannst du beeinflussen, welche Art der Stromerzeugung du über deinen Vertrag bilanziell nachfragst und – abhängig vom Tarif – möglicherweise zusätzliche Investitionen in die Energiewende unterstützen.

Mit einem geringeren Stromverbrauch reduzierst du dagegen unmittelbar die Energiemenge, die für deinen Haushalt bereitgestellt werden muss.

Du musst dich deshalb nicht zwischen beiden Möglichkeiten entscheiden.

Wer wenig Strom verbraucht und einen sorgfältig ausgewählten Ökostromtarif nutzt, verbindet zwei unterschiedliche Ansätze: weniger Energieverbrauch und eine stärkere Ausrichtung des verbleibenden Strombezugs auf erneuerbare Energien.

Fazit: Die Frage „Ist Ökostrom teuer?“ greift zu kurz

Die Vorstellung, dass Ökostrom grundsätzlich teurer sein müsse, passt nicht mehr zum heutigen Strommarkt. Ökostromtarife können günstiger oder teurer als konventionelle Tarife sein. Entscheidend sind Anbieter, Vertragsbedingungen, Verbrauch und die konkrete Tarifgestaltung.

Genauso wenig sollte daraus der umgekehrte Schluss gezogen werden, erneuerbare Energien würden automatisch für niedrige Stromrechnungen sorgen. Der Haushaltsstrompreis besteht aus vielen Komponenten. Erzeugung und Beschaffung sind nur ein Teil davon.

Auch beim Umweltvergleich lohnt sich eine differenzierte Betrachtung. Erneuerbare Energien verursachen ebenfalls Umweltwirkungen, schneiden bei den vom Umweltbundesamt berechneten Umweltkosten aber insbesondere gegenüber fossiler Stromerzeugung deutlich besser ab.

Wenn du einen Ökostromtarif suchst, kannst du deshalb zwei Fragen getrennt betrachten: Ist der Tarif für meinen Haushalt preislich attraktiv? Und bietet er über die reine Ökostromkennzeichnung hinaus einen nachvollziehbaren Nutzen für die Energiewende?

Ein Tarifvergleich lohnt sich damit nicht nur für den Geldbeutel. Er hilft auch dabei herauszufinden, was hinter dem Begriff „Ökostrom“ tatsächlich steckt.