Nachhaltige Landwirtschaft: Voraussetzungen und Lösungen

nachhaltige Landwirtschaft

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Die menschliche Erdbevölkerung wird um 2050 auf neun Milliarden angewachsen sein. Damit steigt insbesondere der Nahrungsbedarf, was einhergeht mit zunehmendem Ressourcenverbrauch. Nachhaltigkeit ist daher seit Jahren in aller Munde. Ökologische Landwirtschaft auch. Doch was bedeutet das überhaupt? Und ist beides gemeinsam realisierbar? Diese und weitere wichtige Fragen zur nachhaltigen Landwirtschaft sollen nachfolgend beantwortet werden.

Was ist nachhaltige Landwirtschaft?

Der Begriff der Nachhaltigkeit wird mittlerweile inflationär gebraucht. Viele Industriezweige geben sich den Anstrich der Nachhaltigkeit, um als ökologisch und ökonomisch zu gelten. Der Ursprung der Nachhaltigkeit liegt jedoch in der Landwirtschaft, genauer in der Forstwirtschaft des 17. Jahrhunderts. Kurz gesagt geht es darum, die Produktivität der Böden zu erhöhen und zu verbessern, wobei gleichzeitig darauf geachtet wird, schädliche Auswirkungen auf Klima, Luft, Wasser, Boden, Tier- und Pflanzenarten sowie die Gesundheit des Menschen zu minimieren. Der Verbrauch nicht-erneuerbarer, fossiler Betriebsmittel soll weitestgehend mit erneuerbaren ersetzt werden.

Die nachhaltige Landwirtschaft entspricht demnach in etwa der ökologischen Landwirtschaft. Deren weitere Ziele sind es, einen geschlossenen Nährstoffkreislauf zu erzielen und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Um all das zu erreichen, sollen möglichst keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel verwendet werden, sondern natürliche Dünger, also Mist oder Kompost. Monokulturen sollen zugunsten von geeigneten Fruchtfolgen vermieden werden, was Kleinstlebewesen und Mikroorganismen im Boden fördert und entsprechend die Fruchtbarkeit erhöht. Beikräuter sollen möglichst per Hand oder auch von strategisch eingesetzten Nutztieren entfernt werden. Auf Antibiotika soll komplett verzichtet werden.

Wie wird nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland gefördert?

Zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft gehört zunächst, dass vorhandene Verhältnisse gemessen und eingeordnet werden. Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in der Schweiz hat dafür das Bewertungssystem RISE (Response-Inducing Sustainability Evaluation) entwickelt. Seit 2012 arbeitet auch die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) damit. Nach folgenden Kriterien werden landwirtschaftliche Betriebe hinsichtlich ihrer nachhaltigen Bewirtschaftung bewertet:

  • Bodennutzung
  • Tierhaltung
  • Nährstoffflüsse
  • Wassernutzung
  • Energie & Klima
  • Biodiversität & Pflanzenschutz
  • Arbeitsbedingungen
  • Lebensqualität
  • Wirtschaftliche Lebensfähigkeit
  • Betriebsführung

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in eine Einschätzung zur bereits vorhandenen Nachhaltigkeit der Betriebe. Davon ausgehend können Defizite erkannt und direkt Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit getroffen werden. Landwirtschaftliche Betriebe einer Region weisen oft ähnliche Strukturen auf, sodass die Maßnahmen von einem Hof später in die Fläche getragen werden können. Betriebe, die sich für Ausbau oder Umstellung auf nachhaltige Landwirtschaft entscheiden, können in Deutschland vom BÖL (Bundesprogramm Ökologischer Landbau) sowohl finanziell als auch beratend unterstützt werden.

Welche Voraussetzungen müssen für eine nachhaltige Landwirtschaft vorhanden sein?

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Eine der wichtigsten Voraussetzungen für nachhaltige Landwirtschaft ist das Wissen über und Erkenntnisse zu geologischen Prozessen. So kann falsche Düngung, die lediglich auf ein kurzfristig beschleunigtes Pflanzenwachstum zielt, langfristig zu Nährstoffverlusten im Boden führen. Falsche Bewässerung sorgt für zunehmende Versalzung. Mittels unsachgemäßen Einsatzes landwirtschaftlicher Maschinen kann es zu Bodenverdichtungen oder Unebenheiten kommen. Die sogenannte „gute landwirtschaftliche Praxis“, GAP (Good Agricultural Practices), sollte also Grundlage eines jeden landwirtschaftlichen Betriebs sein. Dazu gehören vor allem Fruchtfolgen statt Monokulturen, moderne Anbautechniken sowie robustes Saatgut.

Zum anderen muss auch der Zugang zu Land, Wasser, Infrastruktur, Absatzmärkten sowie Produktionsmitteln gewährleistet sein. Eine gute Kommunikation und Vernetzung zwischen den einzelnen landwirtschaftlichen Betrieben, aber auch zum Verbraucher ist heutzutage unabdingbar. Sie dient nicht nur dem Austausch neuester Erkenntnisse, sondern auch der Offenlegung der jeweiligen Produktionsmethoden. Kunden legen immer mehr Wert auf nachhaltig produzierte und schonend hergestellte Lebensmittel. Wissen, Innovation und Transparenz in der Landwirtschaft sind demnach unverzichtbar, um zukunftsweisend und nachhaltig zu produzieren.

Gibt es spezielle landwirtschaftliche Maschinen zur schonenden Ernte/Neusaat?

Zunächst muss festgestellt werden, dass effiziente Mechanisierung von Ernte und Neusaat zur weltweiten Steigerung der Produktivität beigetragen hat. Eine Rückkehr zu manueller Ernte und Bewirtschaftung wäre nicht unbedingt nachhaltiger. Die Böden würden zwar geschont, doch dafür hätten die Menschen zu leiden. Auf landwirtschaftliche Maschinen kann also auch bei der nachhaltigen Bewirtschaftung nicht verzichtet werden. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Maschinen an die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen der jeweiligen Betriebe angepasst werden.

Richtige Technik bei ordnungsgemäßer Handhabung garantiert nicht nur ertragreiche Böden, sondern auch den zielgerichteten Einsatz der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel. So könnten sich mehrere Betriebe zu einer Interessengemeinschaft zusammenschließen und gemeinsam die erforderlichen Geräte und Maschinen erwerben, die dann auch gemeinsam genutzt werden können. Ebenso ist ein Dienstleister denkbar, der mehreren landwirtschaftlichen Betrieben die benötigte Technik zur Verfügung stellt. Auf diese Weise wird die Technik effizienter genutzt bei gleichzeitig geringerer finanzieller Belastung für den einzelnen Betrieb.

Wie können Landwirte von Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft profitieren?

Sicher könnte hier ein Umdenken in Politik, Wirtschaft und Bevölkerung ein Großteil der Lösung sein. Bauern und Landwirten muss deutlich gemacht werden, dass sich Nachhaltigkeit langfristig auszahlt. Und dazu gehört insbesondere, dass Milch und Fleisch nicht weiter unter Wert angeboten werden. Wenn sich mehrere Betriebe jedoch zusammenschließen, um gemeinsam geschlossene Kreisläufe zu erarbeiten, haben sie auch in der Wirtschaft eine stärkere Position. Die Bodenfruchtbarkeit kann gehalten oder sogar deutlich verbessert werden, wenn eben nicht in jedem Jahr Raps oder Mais angebaut wird. Und wenn nicht jeder Hof die gleichen Erzeugnisse produziert, erhöhen sich für den einzelnen Betrieb sowohl Produktion als auch Absatz.

Nicht-erneuerbare, fossile Ressourcen sind nicht nur endlich verfügbar, sondern auch schädlich für Klima, Umwelt und die gesamte Erde. Wenn Bauern und Landwirte ihre Höfe und Betriebe nachhaltig betreiben, profitieren nicht nur sie, sondern letztlich jeder Mensch, vor allem aber auch zukünftige Generationen. Ökologisch produziertes Obst, Gemüse sowie sämtliche tierische Erzeugnisse sind hochwertiger und schmecken besser als industriell gefertigte und chemisch gedüngte. Sind die Erzeugnisse hochwertig, besteht gar eine enge Bindung zwischen Erzeuger und Verbraucher, wird es weniger Abfall geben. Wenige, aber hochwertigere Produkte stärken die Position der Landwirte. Geeignete Fruchtfolgen sorgen dafür, dass es keine Brachflächen gibt, die Böden also Jahr für Jahr vielseitig bewachsen sind und Mikroorganismen lockere und fruchtbare Böden hervorbringen. So kann sogar schwere Arbeit reduziert werden, und die Landwirte können sich über Innovationen in der nachhaltigen Landwirtschaft informieren.

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