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Ökostrom: Erneuerbare Energien haben viele Facetten

Ökostrom gehört für viele Menschen inzwischen ganz selbstverständlich zu einem nachhaltigeren Alltag. Beim Wechsel des Stromtarifs lässt sich häufig mit wenigen Klicks ein Angebot auswählen, das mit Strom aus Wind, Sonne oder Wasserkraft wirbt. Doch Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Hinter dem Begriff stecken unterschiedliche Energiequellen, Herkunftsnachweise und Tarifmodelle – und nicht jeder grüne Tarif trägt automatisch dazu bei, dass neue Anlagen für erneuerbare Energien entstehen.

Wenn du deinen Strombezug bewusster gestalten möchtest, lohnt deshalb ein genauerer Blick. Entscheidend ist nicht nur, ob auf dem Tarif „100 Prozent Ökostrom“ steht, sondern auch, woher dieser Strom bilanziell stammt und ob der Anbieter zusätzlich den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützt.

Was ist Ökostrom?

Als Ökostrom wird üblicherweise Strom bezeichnet, der aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt wird. Dazu gehören vor allem Windenergie, Photovoltaik, Wasserkraft und Biomasse. Auch Geothermie kann zur Stromerzeugung eingesetzt werden, spielt in Deutschland dabei allerdings nur eine geringe Rolle.

Erneuerbare Energien haben einen wesentlichen Vorteil gegenüber Kohle, Erdöl und Erdgas: Ihre Energiequellen erneuern sich beziehungsweise stehen – wie Sonnenlicht und Wind – fortlaufend zur Verfügung. Bei ihrer Nutzung entstehen zudem meist deutlich weniger Treibhausgasemissionen als bei der Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern.

Ganz ohne Umweltwirkungen kommen aber auch erneuerbare Energien nicht aus. Für Windräder, Solarmodule, Stromleitungen und andere Anlagen werden Rohstoffe und Flächen benötigt. Bau, Transport, Wartung und spätere Entsorgung beziehungsweise das Recycling spielen ebenfalls eine Rolle.

Ökostrom ist deshalb nicht automatisch „umweltneutral“. Im Vergleich zur fossilen Stromerzeugung ist der Ausbau erneuerbarer Energien jedoch ein zentraler Baustein für eine Stromversorgung mit deutlich geringeren Treibhausgasemissionen.

Wie viel erneuerbaren Strom gibt es in Deutschland?

Erneuerbare Energien sind längst keine Nische mehr. Ihr Anteil am deutschen Stromverbrauch ist über viele Jahre deutlich gestiegen. Im Jahr 2025 deckten erneuerbare Energien 55,1 Prozent des Bruttostromverbrauchs.

Windenergie liefert dabei den größten Beitrag. Gleichzeitig hat Photovoltaik in den vergangenen Jahren stark zugelegt. Ende 2025 waren nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 117 Gigawatt Solarleistung in Deutschland installiert.

Das zeigt auch, wie sehr sich die Stromversorgung verändert hat. Während erneuerbare Energien vor einigen Jahrzehnten nur einen kleinen Teil des Strombedarfs deckten, stellen sie inzwischen einen wesentlichen Teil der Stromversorgung bereit.

Der Ausbau ist damit allerdings nicht abgeschlossen. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz soll der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigen.

Welche Arten von Ökostrom gibt es?

Hinter Ökostrom können verschiedene Energiequellen stehen. Sie unterscheiden sich nicht nur technisch, sondern auch hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Klima, Natur und Ressourcen.

Windenergie

Windkraft ist derzeit die wichtigste erneuerbare Quelle der Stromerzeugung in Deutschland. Windenergieanlagen wandeln die Bewegungsenergie des Windes in elektrische Energie um.

Ein Vorteil liegt darin, dass während des Betriebs keine Brennstoffe benötigt werden und keine direkten CO₂-Emissionen durch die Stromerzeugung entstehen. Emissionen fallen jedoch unter anderem bei Herstellung, Bau und Rückbau der Anlagen an.

Windenergie ist außerdem mit Zielkonflikten verbunden. Standorte benötigen Flächen und können Landschaftsbild, Vögel oder Fledermäuse beeinflussen. Deshalb spielen Standortwahl, Genehmigungsverfahren und Naturschutzmaßnahmen eine wichtige Rolle.

Unterschieden wird zwischen Windkraftanlagen an Land – Onshore-Windenergie – und Anlagen auf See, der Offshore-Windenergie.

Solarstrom aus Photovoltaik

Photovoltaikanlagen wandeln Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom um. Besonders sichtbar sind sie auf Hausdächern, Gewerbegebäuden, Balkonen und Freiflächen.

Ein großer Vorteil von Solaranlagen auf bereits bebauten Flächen ist, dass für die Stromerzeugung nicht zwingend zusätzliche Flächen benötigt werden. Dachanlagen können Strom zudem vergleichsweise nah am Ort des Verbrauchs erzeugen.

Auch Photovoltaik ist jedoch nicht frei von Umweltwirkungen. Die Herstellung der Module benötigt Energie und Rohstoffe. Deshalb gehören Lebensdauer, Recycling und eine möglichst ressourcenschonende Produktion zur Gesamtbetrachtung.

Bei Freiflächenanlagen kommt zusätzlich die Flächennutzung hinzu. Wie stark solche Anlagen Natur und Landschaft beeinflussen, hängt wesentlich davon ab, wo und wie sie gebaut werden.

Wasserkraft

Wasserkraft wird bereits seit langer Zeit zur Energiegewinnung eingesetzt. Fließendes oder gestautes Wasser treibt Turbinen an, die wiederum Strom erzeugen.

Die Anlagen können über lange Zeiträume Strom produzieren. Wasserkraft ist jedoch ein gutes Beispiel dafür, warum „erneuerbar“ nicht automatisch „ökologisch unproblematisch“ bedeutet.

Stauwehre und Wasserkraftwerke können Flüsse und ihre Ökosysteme erheblich verändern. Unter anderem können sie die Wanderung von Fischen behindern, Sedimenttransport beeinflussen und natürliche Gewässerstrukturen verändern.

In Deutschland sind die Möglichkeiten für einen starken zusätzlichen Ausbau der Wasserkraft zudem begrenzt.

Biomasse

Auch Biomasse zählt zu den erneuerbaren Energieträgern. Strom kann beispielsweise aus Biogas oder fester Biomasse erzeugt werden.

Ein Vorteil bestimmter Biomasseanlagen besteht darin, dass ihre Stromproduktion im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie besser steuerbar sein kann. Biomasse ist allerdings nur begrenzt verfügbar.

Werden eigens Energiepflanzen angebaut, entstehen Flächenkonkurrenzen zur Lebensmittelproduktion und zum Naturschutz. Auch Düngemittel, Pestizide, Bodenbelastung und die Auswirkungen intensiver Landwirtschaft können eine Rolle spielen.

Sinnvoller kann deshalb insbesondere die Nutzung geeigneter Rest- und Abfallstoffe sein. Ob Strom aus Biomasse ökologisch vorteilhaft ist, hängt stark davon ab, welche Rohstoffe eingesetzt werden und wie sie erzeugt wurden.

Kommt bei einem Ökostromtarif wirklich grüner Strom aus deiner Steckdose?

Nicht im wörtlichen Sinn.

Alle Kraftwerke und Stromverbraucher sind über das Stromnetz miteinander verbunden. Der Strom aus deiner Steckdose lässt sich deshalb nicht einem bestimmten Windrad, Solarpark oder Wasserkraftwerk zuordnen.

Wenn du einen Ökostromtarif abschließt, wird nicht eine eigene Leitung vom Windpark zu deiner Wohnung gelegt. Stattdessen funktioniert die Zuordnung bilanziell.

Dafür spielen sogenannte Herkunftsnachweise eine wichtige Rolle. Sie dokumentieren, wo und wie eine bestimmte Menge Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde. Stromanbieter müssen entsprechende Herkunftsnachweise verwenden, wenn sie Strom als erneuerbar ausweisen.

Das verhindert unter anderem, dass dieselbe erneuerbar erzeugte Strommenge mehrfach als Ökostrom vermarktet wird.

Warum ist nicht jeder Ökostromtarif gleich gut für die Energiewende?

Hier liegt einer der wichtigsten Punkte bei der Auswahl eines Tarifs.

Ein Angebot mit „100 Prozent Ökostrom“ bedeutet zunächst, dass die verkaufte Strommenge bilanziell durch Strom aus erneuerbaren Energien beziehungsweise entsprechende Herkunftsnachweise gedeckt wird.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass aufgrund deines Tarifs zusätzliche Wind- oder Solaranlagen gebaut werden.

Herkunftsnachweise können beispielsweise aus bestehenden Wasserkraftwerken im europäischen Ausland stammen. Der Strom wäre dort möglicherweise ohnehin produziert worden. Durch den Kauf des Nachweises entsteht deshalb nicht zwangsläufig eine zusätzliche Anlage für erneuerbare Energien.

Die Verbraucherzentrale weist aus diesem Grund darauf hin, dass viele Ökostromtarife nur einen begrenzten zusätzlichen Beitrag zur Energiewende leisten.

Interessanter sind Tarife und Anbieter, bei denen ein nachvollziehbarer zusätzlicher Nutzen entsteht – beispielsweise indem ein Teil der Einnahmen nach festgelegten Kriterien in neue Anlagen oder Energiewendeprojekte fließt.

Woran kannst du einen guten Ökostromtarif erkennen?

Der Begriff „Ökostrom“ allein sagt noch relativ wenig darüber aus, welchen zusätzlichen Nutzen ein Tarif hat. Wenn du einen Anbieter auswählst, kannst du deshalb genauer hinschauen.

Hilfreich ist zunächst Transparenz. Der Anbieter sollte nachvollziehbar erklären, aus welchen Energiequellen und möglichst auch aus welchen Anlagen oder Regionen der Strom stammt.

Außerdem kannst du prüfen, ob über den reinen Einkauf von Herkunftsnachweisen hinaus Geld in den Ausbau erneuerbarer Energien oder andere konkrete Energiewendeprojekte fließt.

Orientierung können anerkannte Ökostromlabels geben. Dabei lohnt sich trotzdem ein Blick auf die jeweiligen Kriterien, denn Siegel verfolgen unterschiedliche Ansätze und Anforderungen.

Auch die Unternehmenspolitik kann eine Rolle spielen. Manche Anbieter konzentrieren ihr Geschäftsmodell weitgehend auf erneuerbare Energien, während Ökostrom bei anderen lediglich einer von vielen Tarifen ist.

Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Tarif des einen Anbieters gut und der andere schlecht ist. Es zeigt vielmehr, warum sich ein Vergleich lohnt, wenn dir neben der bilanziellen Stromherkunft auch ein zusätzlicher Beitrag zur Energiewende wichtig ist.

Ist Ökostrom automatisch klimaneutral?

Nein. Begriffe wie „CO₂-frei“ oder „klimaneutral“ können bei Strom schnell missverständlich werden.

Windräder und Photovoltaikanlagen benötigen während der eigentlichen Stromerzeugung zwar keine fossilen Brennstoffe. Trotzdem entstehen über ihren gesamten Lebenszyklus Treibhausgasemissionen – beispielsweise durch die Gewinnung von Rohstoffen, Herstellung der Anlagen, Transporte, Bau und Rückbau.

Entscheidend ist daher der Vergleich mit anderen Formen der Stromerzeugung. Erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie verursachen über ihren Lebenszyklus wesentlich weniger Treibhausgasemissionen als fossile Kraftwerke.

Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien sinken deshalb auch die durchschnittlichen Emissionen des deutschen Strommixes. Für 2025 ermittelte das Umweltbundesamt vorläufig durchschnittlich 344 Gramm CO₂ je verbrauchter Kilowattstunde Strom. 2024 waren es 353 Gramm.

Der langfristige Ausbau erneuerbarer Energien trägt dazu bei, diesen Wert weiter zu reduzieren.

Ökostrom und Stromsparen gehören zusammen

Ein Ökostromtarif kann ein sinnvoller Bestandteil eines nachhaltigeren Alltags sein. Er macht den eigenen Stromverbrauch aber nicht automatisch bedeutungslos.

Auch erneuerbare Stromerzeugung benötigt Anlagen, Netze, Speicher, Flächen und Rohstoffe. Strom, der gar nicht erst benötigt wird, verursacht diese Aufwendungen nicht.

Dabei geht es nicht darum, jeden Stand-by-Verbrauch aufzuspüren oder den Alltag möglichst unbequem zu gestalten. Oft bringen wenige größere Stellschrauben mehr als viele kleine Sparmaßnahmen.

Interessant sind beispielsweise alte Geräte mit hohem Stromverbrauch, elektrische Warmwasserbereitung, dauerhaft laufende Verbraucher oder eine ineffiziente Beleuchtung. Gleichzeitig wäre es wenig sinnvoll, ein funktionierendes Gerät allein wegen eines geringfügig besseren Energieverbrauchs vorschnell zu ersetzen. Herstellung und Entsorgung eines neuen Gerätes gehören ebenfalls zur Umweltbilanz.

Die sinnvollste Lösung hängt deshalb vom konkreten Gerät, seinem Verbrauch, seinem Alter und der voraussichtlichen weiteren Nutzungsdauer ab.

Eigener Solarstrom als Alternative zum klassischen Ökostromtarif

Wer ein geeignetes Dach besitzt oder nutzen kann, hat mit einer Photovoltaikanlage eine weitere Möglichkeit: Strom direkt am Gebäude erzeugen und möglichst vor Ort verbrauchen.

Auch für Mieterinnen und Mieter gibt es mit Steckersolargeräten – häufig Balkonkraftwerke genannt – Möglichkeiten, einen Teil des eigenen Strombedarfs selbst zu erzeugen.

Eine eigene Solaranlage ersetzt allerdings nicht automatisch den Stromanbieter. In Zeiten ohne ausreichende Solarproduktion wird weiterhin Strom aus dem Netz benötigt.

Ob sich eine Anlage lohnt, hängt unter anderem von Standort, Ausrichtung, Verschattung, Anschaffungskosten und Stromverbrauch ab. Bei Steckersolargeräten kommen die konkreten Gegebenheiten am Balkon, an der Terrasse oder am Gebäude hinzu.

Ökostrom ist sinnvoll – aber der Tarif verdient einen zweiten Blick

Erneuerbare Energien sind inzwischen eine tragende Säule der Stromversorgung in Deutschland. Windenergie, Photovoltaik, Wasserkraft und Biomasse können fossile Energieträger ersetzen und dadurch die Treibhausgasemissionen der Stromversorgung deutlich reduzieren.

Trotzdem ist nicht alles, was als Ökostrom angeboten wird, automatisch gleich sinnvoll.

Wenn du einen Ökostromtarif suchst, lohnt sich deshalb ein Blick hinter die Werbung: Woher stammt der Strom bilanziell? Welche Herkunftsnachweise werden genutzt? Unterstützt der Tarif zusätzlich neue Anlagen oder andere Energiewendeprojekte? Gibt es glaubwürdige Kriterien oder Siegel?

Und schließlich bleibt Stromsparen eine sinnvolle Ergänzung. Denn auch erneuerbare Energie benötigt Ressourcen und Infrastruktur.

Du brauchst dabei keine perfekte Lösung. Ein transparenter Ökostromtarif, ein bewusster Umgang mit Strom und – wo es zum eigenen Alltag passt – selbst erzeugter Solarstrom sind verschiedene Möglichkeiten, die sich miteinander kombinieren lassen.

Häufige Fragen zu Ökostrom

Was versteht man unter Ökostrom?

Als Ökostrom wird üblicherweise Strom bezeichnet, der aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse erzeugt wird. Bei Ökostromtarifen wird die entsprechende Strommenge bilanziell über Herkunftsnachweise dokumentiert.

Bekomme ich mit einem Ökostromtarif ausschließlich erneuerbaren Strom aus meiner Steckdose?

Nein. Im öffentlichen Stromnetz vermischt sich Strom aus unterschiedlichen Erzeugungsanlagen. Dein Tarif bestimmt deshalb nicht, welche Elektronen tatsächlich in deiner Wohnung ankommen. Entscheidend ist die bilanzielle Zuordnung der entsprechenden Strommenge.

Fördert jeder Ökostromtarif den Ausbau erneuerbarer Energien?

Nein. Ein Tarif kann zu 100 Prozent als Ökostrom ausgewiesen sein, ohne dass dadurch automatisch neue Anlagen entstehen. Wenn dir ein zusätzlicher Beitrag zur Energiewende wichtig ist, kannst du darauf achten, ob der Anbieter nach nachvollziehbaren Kriterien in neue erneuerbare Erzeugungsanlagen oder entsprechende Projekte investiert.

Welche erneuerbare Energie ist am umweltfreundlichsten?

Eine pauschale Antwort ist schwierig. Windenergie, Photovoltaik, Wasserkraft und Biomasse haben unterschiedliche Auswirkungen auf Klima, Flächen, Rohstoffe und Ökosysteme. Standort, Technik und konkrete Ausgestaltung spielen eine wichtige Rolle. Erneuerbar bedeutet daher nicht automatisch frei von Umweltwirkungen.

Lohnt sich ein Wechsel zu Ökostrom?

Ein Ökostromtarif kann dazu beitragen, die Nachfrage nach erneuerbar erzeugtem Strom sichtbar zu machen. Für einen zusätzlichen Beitrag zur Energiewende ist jedoch entscheidend, wie der jeweilige Tarif ausgestaltet ist. Deshalb lohnt sich neben dem Preis ein Blick auf Herkunft, Anbieter und mögliche Ökostromlabels.

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